Gärtner*innenbrief Nr. 1

Gärtner*innenbrief Nr. 1

Was sich auf Äckern und in den Tunneln so tut

Was machen diese Gärtner*innen eigentlich den ganzen Tag auf den Äckern und in den Tunneln? Mitglied in einer Solawi zu sein, bringt die Möglichkeit mit sich, hautnah miterleben zu können, was alles zum Gemüsebau dazugehört. Viele von Euch haben die Gelegenheit bereits ergriffen und bei einem Ackersamstag mitgemacht. Danke! Ohne Eure Hilfe säen (Achtung, vorsätzlicher Rechtschreibfehler zugunsten des Wortwitzes) wir manchmal alt aus! In einer Solawi gehört das Gemüse allen Mitgliedern gleichermaßen, auch vor der Ernte. Deshalb wollt Ihr ja vielleicht jetzt schon wissen, wie es den Möhren und Pastinaken, den Kohlrabis, Salaten und Tomaten so geht? Wir möchten allen Mitgliedern die Gelegenheit geben, am Tun und Machen, den Entwicklungen, Erfolgen und Misserfolgen in der Gärtnerei teilzuhaben, auch denen, die nicht (regelmäßig) auf den Acker kommen können oder möchten. Darum beglücken, begeistern, bequatschen und behelligen wir, das Gärtner*innenteam, Euch nun in einem Gärtner*innenbrief regelmäßig mit Neuigkeiten von unseren Äckern und Folientunneln. Das hier ist der Erste. 
Bevor es so richtig los geht, seid Ihr jedoch noch einmal gefragt!

Was wir gern von Euch wissen würden:
Kommt Ihr gut damit zurecht, dass wir die Kräuter lose und ungebündelt ausgeben? Das Bündeln würde viel extra Zeit kosten, weshalb wir darauf gern verzichten würden. Die Arbeitskapazitäten werden unserer Meinung nach in der Kulturpflege dringender gebraucht.Gleichzeitig geben wir damit Verantwortung an alle Mitglieder ab. Damit die lose Ausgabe der Kräuter so klappt, müssten alle Mitglieder darauf achten, nur so viel zu nehmen, dass für alle etwas übrig bleibt. Dennoch sollte so viel entnommen werden, dass nichts im Depot bleibt und verdirbt. Bitte achtet dabei auch auf die Abhollisten im Depot. Dort könnt Ihr einsehen, wie viele Menschen Ihren Anteil noch abholen müssten und damit abschätzen wie viel noch übrig bleiben sollte. Wenn ihr die Letzten seid, die etwas abholen, könnt Ihr gern alles mitnehmen, was übrig geblieben ist.     Wenn Ihr diesbezüglich Wünsche oder Vorschläge für veränderte Abläufe habt, lasst es uns bzw. das Logistikteam gern wissen!

Wofür wir immer wieder gern werben:
Den kommenden Ackersamstag. Die gemeinsamen Ackersamstage sind mehr als eine willkommene Arbeitserleichterung. Für uns stellen sie eine wichtige Schnittstelle zu den Solawi-Mitgliedern. Wir freuen uns neue Gesichter kennenzulernen, von Euch und Euren Motivationen zu erfahren und Euch unsere Arbeit etwas näher zu bringen. Und das alles bei einer höchst sinnstiftenden und befriedigenden Tätigkeit: Gemüse anbauen und pflegen.     Diesen Samstage werden wir uns wieder auf dem Acker in Gohlis im Elbtal treffen, das erleichtert die Anfahrt ungemein. Es geht vorrangig darum alle möglichen Beikröuter zu regulieren, also zu jäten und zu hacken. Das geht im Stehen, Hocken, Sitzten und wenn es ums Möhren Jäten geht, sogar halb im Liegen (weitere Details siehe weiter unten). Wir schaffen es nicht immer, ein Mittagessen für alle bereitzustellen, aber ein Snack ist mindestens drin. Gute Laune und ein paar Witze haben wir auch immer dabei. Genügend Platz für Corona-konformen Abstand haben wir natürlich auch. Wenn Ihr dabei sein wollt, tragt Euch einfach zuvor in unserem Dudle ein: https://dudle.inf.tu-dresden.de/gaertnerei-solawi/

Neues aus Kalenderwoche 23:
Wie Ihr sicher anhand Eurer Ernteanteile bemerkt habt, wurden in der vergangenen Woche die Beete mit Dresdner Rettichen geräumt. Die Rettiche haben wir in Mischkultur mit Zuckererbsen angebaut und so traten zwischen den Rettichen fleißig wachsende Zuckerschotenpflänzchen zum Vorschein. Da diese ohne stabilisierende Blätter des Rettichs recht hilflos herumliegen,  wurde gleich am Montag ein Rankgerüst gebaut (siehe Bilder im Anhang). Da die Hälfte der Möhren auf dem Acker in Gohlis von fleißigen Solawistas am vorletzten Samstag von Beikräutern, aber gleichzeitige auch von der, vor Austrocknung schützenden Mulchschicht, befreit wurden, gab es am Dienstag eine aufregende Gießaktion. Mithilfe eines Lastenrades und einer Regentonne wurden Möhren, Tomaten, Paprika und Auberginen mit mehreren 100 Litern Wasser beglückt. Künftig wird uns das Gießen in Gohlis glücklicherweise durch einen großen Wasserwagen wesentlich erleichtert und geht mit weniger Arbeitsaufwand, aber auch weniger Abenteuer einher. À prospos Wasser. Das umfangreiche Mulchen (also das Abdecken der Beete mit organischem Material wie Heu oder Silage) zahlt sich bei vielen Kulturen aus. Während dieser heißen Tage bietet die Bedeckung einen hervorragenden Verdunstungsschutz, weshalb wir uns trotz insgesamt bescheidener Gießbemühungen über weitestgehend feuchte und weiche Böden freuen können. Auch der Beikrautdruck wird durch die Bodenbedeckung gering gehalten. Aber: there is no such thing as a free lunch… Auch die Schnecken finden den feuchten Boden ganz nett und machen sich an den Salaten bemerkbar. Wenn diese die unteren Blätter anfressen, kann es passieren, dass die Salatköpfe geputzt werden müssen (Gärtner*innensprache für „unschöne Blätter entfernen“) und kleiner ausfallen als üblich. Nichtsdestotrotz müssen wir früher oder später auch auf dem Acker die Bewässerung einschalten. Daher wurden bei der Ackeraktion am Samstag fleißig Tropfschläuche verlegt. Diese Art der Bewässerung ist besonders wassersparend (insbesondere wenn sie unter den Mulch gelegt werden) und wenn die Schläuche einmal liegen mit wenig Arbeit verbunden. 

Und nun eine Runde „Was uns diese Woche … gedingsbumst … hat“
Was uns diese Woche überrascht hat: Wenige Tage nachdem die Petersilie geerntet wurde, war sie fast schon wieder vollständig nachgewachsen. Das Bild, welches aussieht wie ein grünes Chaos ist in Wirklichkeit eine Mischkultur aus Tomaten und der wuchernden Petersilie. Wenn das so weitergeht, müssen wir wohl doch mal Petersilie als Hauptzutat verwenden. Übertreiben sollten wir es aber auch nicht, denn in hohen Mengen wirkt sich auch Petersilie unvorteilhaft auf den leiblichen Zustand aus (es gab Zeiten in denen Frauen mit einer Überdosis Petersilie eine Abtreibung erwirken wollten, was manchmal klappte und manchmal tödlich endete).
Was uns diese Woche motiviert hat: Nach dem eher kühlen Mai, nehmen die Pflanzen dank des warmen Wetters nun richtig Fahrt auf. Die Gurken blühen schon und es sind die ersten kleinen Babygürkchen sichtbar.
Was uns diese Woche zu schaffen gemacht hat: Trotz der tollen Jäte-Aktion am vorletzten Samstag in Gohlis, drohen noch immer ein paar Beete Möhren im Beikraut zu versinken. Das ist einerseits nichts ungewöhliches, da Möhren sehr langsam wachsen, andererseits haben wir uns zu spät um die Beikrautregulation gekümmert. Das Jäten ist nun eine sehr zeitaufwändige Arbeit. Daher werden wir uns auch diesen Ackersamstag dem Hacken und Jäten widmen und freuen uns über jede helfende Hand!Insgesamt stehen wir vor der großen Herausforderung, einen Acker, der voller Wildkrautsamen zehn Jahre lang brachlag, nun in eine Gemüsegärtnerei zu verwandeln. Das macht im ersten Jahr viel Arbeit, bedeutet aber auch, dass es in den kommenden Jahren leichter wird, sobald der Acker etwas „gezähmt“ ist.
Was wir uns diese Woche gewünscht hätten: Ein Draußendusche, wenn die Sonne brezelt.

Kalenderwoche 23 Hall of Fame: Dankbarkeit ist psychologisch gut erforscht und weist immense Vorteile für das Wohlbefinden auf, sowohl für die Dankenden, als auch für die Dankesempfangenden (ganz schön unbeholfenes Wort, ich weiß). Kurzum wird in dieser Welt tendenziell zu wenig gedankt, darum machen wir das hier regelmäßig. Anlass dazu gibt es reichlich, denn die Solawi lebt davon, dass sich ständig Menschen gegenseitig helfen. Damit es nicht allzusehr ausartet beschränken wir uns mal auf die Taten der vergangenen Kalenderwoche:    

  • Danke an Annekathrin für die Extraschicht beim Ausgeizen (eine Prozedur der Seitentriebe von Tomaten entfernt werden, um den Wuchs und die Fruchtgröße zu beeinflussen)! Schwalbes von der Gärtnerei in Gohlis haben uns bisher sehr großzügig durch die Bereitstellung der Infrastruktur auf ihrem Betrieb geholfen. Nun hat Annekatrin mit dem Ausgeizen der Tomaten von Schwalbes ein Stück Gegenleistung erbracht
  • Danke an Martin, seinen Besuch und Jens für die sehr spontane Hilfe bei der Gießaktion in Gohlis
  • Danke an Jan für die weitere Gießsysteminstallation in Oberwartha
  • Danke an Nino für die Verantwortungsübernahme am Solawista-Ackersamstag
  • Danke an Felicitas und Wolfgang für die Bemühungen um eine geregelte Übergabe der Orgateam-Aufgaben
  • Danke an Christiane für die Bedankung bei Johann Franz für seine Kooperationsbereitschaft
  • Danke an Jens für die Bereitstellung von Material und Werkzeug für die Zuckererbsengerüste
  • Danke an David für die Initiative dieses ersten Gärtnereiinfo-Briefes
  • Danke an Annette für das Beschriften und vorbildliche putzen der Werkzeuge. 
  • Danke an Rike für die Übernahme der Schichtorganisation.

Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aller bedankungswürdigen Taten und Menschen. Wer dieses Mal hier nicht erwähnt ist, kommt das nächste mal dran! Also ein Dankeschön auch an alle, die Mal wieder ausgeliefert, geackert, geerntet, gedacht, gekauft habt,  dass Ihr mithelft, einen Ernteteil zeichnet oder einfach mitfiebert. 
Und nu ist auch wieder gut mit der Schleimerei. Wir freuen uns auf neue Taten in einer neuen Woche!


Herzlichst,Euer Gärtner*innenteam